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Retrospektive


Bibliographie

Text von Jean-Louis PRADEL,
AUTHOUART « Le grand canyon du supermarché des images »,
SOMOGY Editions d’Art 2002

… Die neue Welt mit den Farben des gesamten Konsums, der Comics, des Kinos und des Rock’n’Roll sollte zur Flutwelle der Pop Art führen, die alle Konventionen über den Haufen wirft und die herkömmliche künstlerische Hierarchie zerschlägt. Als die malerei gerade wieder dabei ist, Farbe zu gewinnen, machtsich Daniel Authouart ans Werk. Nachdem das Verbot des Figurativen durch den Zusammenbruch des socialistischen Realismus aufgehoren war, begann eine andere Geschichte der Kunst, deren amerikanische Stars Andy Warhol und Roy Lichtenstein und deren Pioniere die Engländer Peter Blake und Richard Hamilton waren, und deren Echo im kosmopolitischen Paris der 60er Jahre jene jungen Maler waren, die Gérald Gassiot-Talabot unter dem Banner der « Figuration Narrative » vereinigte : Valerio Adami, Eduardo Arroyo, Peter Klasen, Jacques Monory, Bernard Rancillac und Hervé Télémaque.
Diese Welle spülte ans Ufer der modernen Kunst eine Menge von malern, die bislang vernachlässigt worden waren, wie Edward Hopper oder Francis Bacon, aber auch Otto Dix, George Grosz, Guiseppe Pelizza da Volpedo oder George Bellows, und selbst die von André Fourgeron für sein sehr umstrittenes Bild « Civilisation Atlantique » 1953), das heute in der Tate Modern hängt, behanspruchte « realistische inkohärenz » jenseits des Konsensterrorismus mit dem sich der allgemeine Konformismus der heutigen intellektuellen Faulheit begnügt.
Das ist die Perspektive, in die der einzigartige Werdegang Daniel Authouart sich eingliedert, mittem im diesem schönen Durcheinender der Ausschweifungen rehabilitierter, wieder entdeckter und neu definierter Bilder, wieder
aus der Versenkung hervolgeholter Werke und bildlicher Verfähren. Er zieht der gängigen formalen Sparsamkeit das Aufleuchten der Farben, die schroffen Formen und die Gefahren des Ubermasses vor ,um dem Auge keinen Moment Ruhe zu gewähren. Auf dem weg zum Gemälde verliert Daniel Authouart absichtlich die Eleganz der zum Motiv angefertigten Skizzen, um sie auf Biegen und Brechen in eine Komposition einzugliedern, deren Uberfluss die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet. Die Malerei ist sicher ales andere als ein langer stiller Fluss. Sie ist wie die Metro um sechs Uhr ! Wenn Sie die Schwäche, den Mut oder das Bedürfnis haben sich mitreissen zu lassen, dann ist es auf ihre eigene Gefahr und Verantwortung. Rechnen Sie nicht mit Spitzplätzen ! Nicht ist hier sicher und ruhig. Hier drängelt man sich fröhlich, man drängt sich zuzammen und reibt sich aneinander. Neugierige Hände und Taschendiebe profitieren nach Herzenslust. Die erschöpften Körper erhitzen sich, ihr widerschein vergeht. Wie bei der unerschütterlichen Folge von Stationen und Stössen schwankt von einem Gemälde zum anderen und von einer Enthüllung unerwarteter Details zur nachsten das Gleichgewicht, und selbst die dünnsten Portemonnaies leeren sich. Unser kleines Kapital an visuellen sicherheiten und ästhetischen Vorurteilen stürzt im freien Fall ab.Man plündert Sie unverschämt aus, man berührt sich heimlich, man verliert sic hunter den reisserischen Werbeplakaten, man wird rot vor Ärger im fahlen Licht.
Erfährt man bei der Fahrt der unliebsamen Begegnungen vielleicht die Durchquerung eines Spiegels am anderen Ende des Tunnels ?
Und doch erfasst die Träumerei, die aus dieser städtischen Hölle des Untergrunds, dem wirrwarr des kollektiven Unterbewusstseins, den grossen und kleinen persönlichen Ängsten entkommen ist ohne Vorwarnung die einen und die anderen, und sammelt auf’s Geratewohl im Vorbeigehen einige Puzzleteile auf.
Die eben erst verlassene Privatsphäre bricht unter dem Ansturm der Gewalt dieses Ofentlischen Durcheinenders zusammen, um einer ebenso wilden wie endlosen Szene Platz zu machen, in der ein aszinierender Walzer der Gefühle herumwirbelt und sich im Kreise dreht wie in manchen Kinoplakaten, die eine Art Anamorphose des gesamten Films darstellen. Auf einen Blick ermöglisht das prunkwolle Durcheinender einer Fülle von kunstwoll durch die Malerei Daniel Authouarts gemischten Bildern, die Gesamtheit einer Geschichte ohne Anfang und Ende zu erkennen. Diese ohne Groschbuchstaben in einer unbegrenzten dauer angelegte, Geschichte des Malens
und Sehens ruiniert die schöne Gerätschaft der guten Gefühle, macht die Mauer des Gefängnisses des Konformismus brüchig und stösst die arroganten Hindernisse um, an denen so viele Hoffnungen und Sehnsüchte zerschellen.
Jedes Gemälde nennt einige der unendlich vielen Variationen von heilsamen Grundlagen angekündigter Erdrutsche, von Lawinen, die schon in der Ferne donnern, und sintflutartigen Wassermengen, die die Schleusen des Verlangens immer noch Weiter öffnen. …